Unterschiede zwischen "Neuer Autorität" und "Traditioneller Autorität":

  • Präsenz und Nähe statt Furcht und Distanz
  • Selbstkontrolle u. Aufschub statt Kontrolle und Gehorsam
  • Netzwerk und Gemeinschaft statt Hierarchie und Machtgefälle (kein Einzelkämpfertum)
  • Transparenz/Öffentlichkeit statt Immunität gegenüber Kritik u. Willkür
  • Verzögerung u. Beharrlichkeit statt impulsiver u. überzogener Reaktionen

 

Handlungsebenen der Neuen Autorität (7 Säulen)

  1. Säule: Grundhaltung / Werte der Neuen Autorität:
  • da sein = nicht aufgeben, beharrlich sein: "Mir ist die Beziehung zu dir wichtig!“
  • Halt geben = sich nicht abschütteln lassen: "Ich kämpfe um dich, nicht gegen dich!“
  • gewaltfrei = "Wir werden alles tun, um die Situation zu verändern - außer, dich körperlich oder mit Worten zu attackieren."
  • überzeugt sein = Meine Autorität ist nicht abhängig von deiner Reaktion. "Wir wissen, dass wir dich nicht verändern können, aber wir haben uns entschieden, uns zu verändern."
  • nicht alleine sein = Unterstützer finden ("Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“) 

 

  1. Säule: Selbstkontrolle / Deeskalation:
  • sich nicht hineinziehen lassen, nicht auf Provokationen einlassen
  • keine Predigten, Drohungen, Moralisierungen, Beschuldigungen
  • Es geht nicht darum, das Kind zu besiegen, sondern beharrlich zu bleiben
  • "Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist." -> Aufschub: "Ich habe gehört, was du gesagt hast. Ich werde darüber nachdenken und darauf zurückkommen."
  • "Ich bin nicht alleine - ich hole mir Unterstützung."
  • durchatmen, schweigen, innehalten

 

  1. Säule: Transparenz / Öffentlichkeit:
  • sich mitteilen dürfen -> gegen die Geheimhaltung
  • wir veröffentlichen wie wir reagieren (Interventionen)
  • wichtig: das Ehrgefühl der Kinder / Eltern muss geachtet werden
  • Scham muss Platz haben, aber es darf keine Beschämung stattfinden

 

  1. Säule: Unterstützung / Netzwerke:
  • Wir-Haltung: „Wir hier in der Schule akzeptieren dein Verhalten nicht.“
  • Gemeinsames Vorgehen
  • Umsetzung in der Schule: z. B. Austausch mit Kollegen, Schulleitung, Sozialpädagogin, Klassenzimmer öffnen, Eltern mit einbinden
  • außerschulische Beratungsstellen und Fachkräfte mit einbeziehen, wenn nötig

 

  1. Säule: Protest und gewaltloser Widerstand (Inspiriert von M. Gandhi und M. L. King)
  • der Versuch, gemeinschaftlich (im gesamten System) eine Lösung zu finden, in der das Kind sich weder gedemütigt, noch besiegt fühlt
  • Methoden des gewaltfreien Widerstandes: Präsenz vor Ort, Unterstützungsnetz-werke, Wiedergutmachung, Ankündigung, Sit-in, begleitete Suspendierung

 

  1. Säule: Gesten der Beziehung / Wiedergutmachung:
  • Beziehung ist die wichtigste Ressource in der pädagogischen Arbeit
  • neben Widerstandsmaßnahmen müssen immer parallel Gesten der Beziehung gemacht werden
  • die Beziehung muss aktiv von den Erwachsenen gestaltet werden: alltägliche kleine Wertschätzungen, gemeinsame Aktivitäten, eigene Fehler eingestehen und bedauern (unabhängig vom Verhalten des Kindes)
  • Grundsatz: Wo Schaden ist, muss es Entschädigung geben
  • Wir helfen, einen Weg zur Wiedergutmachung zu finden und bei der Ausführung
  • Du musst nicht sofort entscheiden
  • Wiedergutmachung schafft Ausgleich und macht das Kind frei
  • Nach der Wiedergutmachung ist es wieder gut

 

  1. Säule: Präsenz (Teil 1):
  • Bereitschaft, im Leben eines Kindes eine Rolle spielen zu wollen
  • umfasst alle anderen 6 Säulen der Neuen Autorität
  • findet auf verschiedenen Ebenen statt:
  • Physischer Aspekt: Ich bin da, mit allen Sinnen.
  • Handlungsaspekt: Ich bin handlungsfähig!
  • Selbstkontrollierender Aspekt: Ich bin ruhig und lasse mich nicht provozieren. Ich bestimme, was und wann ich etwas unternehme.

 

  1. Säule: Präsenz (Teil 2)
  • Beziehungsaspekt: Ich bleibe stets in der Beziehung - lasse auch im Konflikt den Beziehungsfaden nie abreißen.
  • Systemischer Aspekt: Ich bin nicht alleine. Ich kann bei Bedarf mit Hilfe eines Unterstützungssystems meine Präsenz verstärken.

 

 

Präsenz im Klassenzimmer

Da sich viele Streitsituationen unmittelbar vor dem Unterricht entwickeln (wenn die Kinder morgens ankommen, oder aber wenn sie von der Pause reinkommen), ist es sinnvoll, dass die Lehrkraft vor den Kindern anwesend ist und diese in Empfang nimmt. Gleichzeitig ist diese Zeit vor dem Unterricht wichtig, um mit einzelnen Kindern persönlich über den Unterricht hinaus ins Gespräch zu kommen und z.B. über Ereignisse des Vortages zu sprechen. Somit fördert die Präsenz im Klassenraum im Sinne der „Neuen Autorität“ den Beziehungsaufbau.

 

 

Mögliche Reaktionen bei Grenzüberschreitungen während des Unterrichts sind:

  • Ermahnung, Auszeit, Planarbeit (Schüler evtl. in andere Klasse oder den Gruppenraum setzen)
  • Unterricht unterbrechen und 20 Sekunden schweigen
  • Notizbuch: Namen notieren und sagen: „Ich komme darauf später zurück. Jetzt führe ich den Unterricht weiter fort.“
  • Wichtig: auch mal einen Brief an die Eltern schreiben bzw. anrufen, um eine Eigenschaft eines Schülers zu loben (was läuft eigentlich gut?)